Gelungene Kooperationsveranstaltung zu Compliance von Universität Bayreuth und IHK Bayreuth

Print

Das Thema „Compliance in Familienunternehmen und im Mittelstand“ aus rechtlicher und betriebswirtschaftlicher, aus Praxis- und Wissenschaftssicht zu beleuchten - diesen übergreifenden Ansatz hatte die Kooperationsveranstaltung von Universität Bayreuth (Forschungsstelle für Familienunternehmen - FoFamU) und der IHK.

Die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner unterstrich in ihrer Begrüßung das gute Miteinander von FoFamU mit ihrem Geschäftsführer Dr. Michael Hohl und dem geschäftsführenden Direktor Prof. Dr. Kay Windthorst und der IHK. Dass es hervorragender Führungsqualitäten bedarf, um eine Compliance-Strategie im Unternehmen zu verankern, zeigte Gabriele Hohenner anschaulich und eingängig an einem zeitlos aktuellen Beispiel aus dem römischen Reich. Der Feldherr Julius Cäsar, dem es mit einer psychologisch geschickten und brillianten Rede gelang zu motivieren und Ängste zu zerstreuen, wäre ein geborener „Head of Compliance“ gewesen. In der heutigen Zeit seien diese Fähigkeiten genauso gefragt wie vor 2.000 Jahren - gerade auch in Familienunternehmen, in denen der Chef mit seiner Familie für die Werte des Unternehmens steht und sie direkt beeinflusst. 

 

Redner des Abends

Die rechtlichen Rahmenbedingungen von Compliance-Systemen in mittelständischen und Familienunternehmen stellten die Rechtsanwälte Dr. Harald W. Potinecke, Dr. Simon Sabel und Dr. Oliver Thurn, CMS Hasche Sigle anschaulich dar. Dabei wurde deutlich, dass sich die zugrundeliegenden gesetzgeberischen Regelungen in der letzten Zeit nicht wesentlich geändert haben. Dass Compliance ein so aktuelles Thema ist, liege vielmehr daran, dass die Anwendung des vorhandenen Rechts durch die Gerichte stärker forciert werde und sich die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit gewandelt habe. Dies könne dazu führen, dass ein Fehler im Compliance-System die gesamte Reputation des Unternehmens auf lange Sicht zerstören könne. Gerade im stark exportorientierten Mittelstand sei Compliance auch ein wichtiges Korruptionspräventionsinstrument. Es gelte durch sorgfältige Auswahl und Aufsicht von Vertragspartnern und einer klaren vertraglichen Absicherung eine Geschäftspartner-Compliance sicherzustellen. Der Spruch „Andere Länder, andere Sitten“ müsse ergänzt werden um den Zusatz „… aber die Folgen sind in Deutschland zu tragen“. Und die können gravierend sein, da bei Verstößen 50 % des Umsatzes abgeschöpft werden kann. Gerade den GmbH-Geschäftsführer treffe ein strenges Haftungsregime, bei dem er neben der Haftung für eigene Gesetzesverstöße auch befürchten muss für Schäden der Gesellschaft aufkommen zu müssen. Dies kann auch die Haftung für Pflichtverstöße von Mitarbeitern, die er zu überwachen hat, bedeuten. 

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht befassten sich der Leiter der KPMG Steuerabteilung Regensburg Karl Spangler und der Verantwortliche für den Bereich Internal Audit Services der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Volker Zieske im zweiten Vortragsblock mit Compliance. 

Letztlich gehe es um das Beherrschen von Risiken, so Zieske und das betreffe große wie kleine Unternehmen. Dabei helfen klare Strukturen im Compliance-Management-System. Sowohl der IDW PS 980 als auch die ISO 19600 seien eine gute Hilfe. Bei der Frage, wo der Mittelstand stehe, falle auf, dass nach einer Erhebung, wie Compliance sichergestellt werde, 60 % der Unternehmen über ein institutionelles Compliance-Risikomanagement verfügen. Von großer Wichtigkeit sei der Kommunikationsprozess im Unternehmen, da sowohl die Führungsebene wie auch die Mitarbeiter die Compliance-Ziele kennen müssten. Das sei eine klare Führungsaufgabe für den Unternehmer. 

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine vom Geschäftsführer der Forschungsstelle Dr. Michael Hohl moderierten Diskussions- und Fragerunde. Einigkeit bestand beim Resümee, dass Non-Compliance für jedes Unternehmen teuer werden könne. Für mittelständische Unternehmen könne es der Genickbruch sein. 

© 2012—2013 Forschungsstelle für Familienunternehmen der Universität Bayreuth.
Design by FJT 2011. Joomla 1.7 templates.